Mathias Kockert

Wie weiter in Wittichenau – Rückblick und Ausblick auf die Stadtpolitik

Wie weiter in Wittichenau – Rückblick und Ausblick auf die Stadtpolitik

Wer etwas über die Herausforderungen der Zukunft für unsere Heimatstadt erfahren möchte, sollte sich zuerst kurz die Zeit nehmen, um zurück zu blicken.

Als vor 30 Jahren die politische Wende neue Möglichkeiten eröffnete, zögerten die neuen Verantwortlichen nicht. Sie ergriffen die Chance und nutzten die guten Rahmenbedingungen. Es gab zu der Zeit kaum bürokratische Hemmnisse und viele Fördermittel. So konnten in sehr kurzer Zeit Straßen und Infrastruktur saniert, ein eigenes Klärwerk und eine Mehrzweckhalle gebaut und die Stadt insgesamt zu einem Schmuckstück herausgeputzt werden.

Für all diese Investitionen waren aber auch viele Eigenmittel aufzubringen, was nur über Kredite möglich war und zu einer hohen Verschuldung führte. Dies ist an sich nichts Schlechtes, muss es doch der normale Häuslebauer genauso machen. Er nimmt einmal einen großen Kredit auf und zahlt dann viele Jahre ab. Genauso hat auch die Stadt gehandelt. In den letzten 15 Jahren wurde kein neuer Kredit aufgenommen, stattdessen aber Millionen an Schulden getilgt und trotzdem weiter viel investiert. Erst für den jetzigen Neubau der Kita war wieder ein überschaubares Darlehen unvermeidlich, welches aber schon in zwei Jahren wieder zurückgezahlt sein soll. Perspektivisch könnte unsere Gemeinde in 10 Jahren schuldenfrei sein.

Die Investitionstätigkeit der letzten Jahre stand ganz im Zeichen unserer jüngsten Einwohner, unserer Kinder. Es erfolgte die Sanierung der CSB-Kita und der Mittelschule sowie der Umbau des Bahnhofs zum Hortgebäude. Die Sanierung der Grundschule läuft gerade in mehreren Etappen und das katholische Kinderhaus wird an der Gartenstraße neu errichtet. Alles in allem wurden und werden hier mit Fördermitteln viele Millionen Euro investiert. Bei den Themen Kita und Schule sind wir dann bestens aufgestellt. Die Fokussierung auf diese Maßnahmen hatte aber auch zur Folge, dass andere Dinge warten mussten, da nicht alles gleichzeitig zu leisten und zu finanzieren war.

Und damit komme ich zur Zukunft. Mit welchen Themenfeldern soll und muss sich die Stadt in den nächsten Jahren verstärkt beschäftigen? Wo haben wir jetzt Nachholbedarf? Wo muss zukünftig der Fokus der Investitionen liegen?

Ganz weit vorn in der Priorität stehen hier unsere Feuerwehren. Dort leisten viele Männer und Frauen einen wertvollen freiwilligen Dienst für unser Gemeinwesen. Sie haben Anspruch auf eine gute technische Ausstattung, um ihrer Aufgabe nachkommen zu können. Im Feuerwehrbedarfsplan ist die Anschaffung neuer Fahrzeuge vorgesehen und auch die bauliche Situation des Feuerwehrgerätehauses gilt es deutlich zu verbessern. Hierfür wird ein großer Teil der Investitionen der nächsten Jahre einzusetzen sein. Und diese Mittel sind dort bestens investiert.

Unsere Gemeinde besteht aus vielen wunderschönen Ortsteilen, deren Anliegen die gleiche Priorität verdienen, wie die der Stadt. Ganz wichtig ist das Bekenntnis zu den Dorfgemeinschaftshäusern. Sie sind wichtiger Treffpunkt im Ort und Grundlage des kulturellen Lebens und der Erhaltung des Brauchtums. Wo notwendig muss in Erhalt und Ertüchtigung investiert werden. Ganz wesentlich ist auch eine gute Verkehrsanbindung an die Stadt. Dabei sind vor allem Radwege für die Sicherheit von besonderer Bedeutung. Beim Radweg zwischen Maukendorf und Wittichenau hat die Stadtverwaltung die Initiative ergriffen. Sie plant und baut nun selbst, die Kosten trägt aber der Landkreis. So kann dieser lang gehegte Wunsch nun endlich realisiert werden. Genauso wichtig ist der Radweg zwischen Wittichenau, Hoske und Rachlau. Diese Lücke in unserem Radwegenetz muss unbedingt geschlossen werden.

Der Bauhof ist eine besonders wertvolle Einrichtung für unsere Gemeinde. Manche Kommunen haben diesen zum Teil oder vollständig ausgegliedert und müssen jede Dienstleistung ausschreiben und beauftragen. Wir hingegen sind in der Lage die anfallenden Arbeiten in unserem großen Gemeindegebiet kostengünstig und flexibel abzuarbeiten. Dabei haben wir auch die Möglichkeit unsere vielfältigen Heimatfeste und Vereinsaktivitäten logistisch zu unterstützen und kleinere Infrastrukturmaßnahmen, wie z.B. Gehwege und Parkplätze, eigenverantwortlich und schnell umzusetzen. Wir müssen deshalb weiterhin für eine angemessene personelle und technische Ausstattung unseres Bauhofes sorgen.

Kindergärten und Schulen sind für die Zukunftsfähigkeit einer Gemeinde ausschlaggebend. Durch die großen Investitionen der vergangenen Jahre haben wir uns bestens aufgestellt. Die Fertigstellung des neuen Kindergartens und die restlichen Sanierungsarbeiten an der Grundschule haben hohe Priorität und stehen unmittelbar bevor. Wir haben unsere Schulen in kommunaler Trägerschaft behalten. Damit hatten wir es stets selbst in der Hand, wie wir sie weiterentwickeln und sanieren wollen. Das muss auch so bleiben!

Einwohner und Unternehmer wünschen sich eine vitale Innenstadt mit regem Handel. Doch fällt es in den meisten kleinen Kommunen immer schwerer, das aufrecht zu erhalten. Die Gründe sind vielfältig und meist vor Ort schwer zu bekämpfen, z.B. die Konkurrenz durch den Internethandel. Das darf aber nicht zu Resignation führen, sondern muss Motivation sein, diesem Trend gemeinsam mit den Unternehmern aktiv zu begegnen. Dazu braucht es auf der einen Seite unternehmerische Ideen und auf der anderen Seite gute Rahmenbedingungen durch die Stadt. Dabei ist die Beibehaltung eines Grundsatzes ganz wichtig: Keine Discounter auf der grünen Wiese! Der Handel gehört in die Stadt!

Das vielfältige Vereinsleben in unserer Gemeinde ist ein großer Schatz, den es zu bewahren und zu unterstützen gilt. Wittichenau ist keine langweilige Provinz. Ob Fasching, Dorffeste, Straßenfeste, Stadtteichfestival, Silvestinale oder Schützenfest – hier ist immer was los. Und wenn mal nichts los ist, dann wird was Neues erfunden. Dabei ist die Verwaltung kooperativ und oft auch unterstützend mit dem Bauhof zur Stelle. Das soll auch so bleiben.

Noch Vieles ließe sich aufzählen aber wichtig ist vor allem, dass auch in den kommenden 5 Jahren Stadtrat, Verwaltung und Bürger an einem Strang ziehen. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine erfolgreiche Zukunft.

Mathias Kockert

Stadtrat